– Offizielle Brett- und Figurenzeitung der Schachgesellschaft Emmenbrücke

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Freitag, 10. Juli 2026

Viktor Kortschnoi im Emmen Center

Als die Schachwelt nach Emmen blickte

ChatGPT

Es gibt Ereignisse, die weit über den eigentlichen Sport hinausreichen. Der Besuch von Viktor Kortschnoi am 26. September im Jahr 1976 im Emmen Center war ein solcher Moment. Nur wenige Wochen zuvor war der sowjetische Grossmeister während eines Turniers in Amsterdam in den Westen geflüchtet. Plötzlich stand der berühmteste Schachspieler der Welt im Mittelpunkt des internationalen Interesses – und machte Station in Emmen.

Schon lange vor Beginn der Simultanvorstellung füllte sich das Einkaufszentrum. Zwischen den Geschäften waren 54 Schachbretter aufgebaut. Journalisten, Fotografen und zahlreiche Schaulustige warteten gespannt auf den Mann, über den damals in ganz Europa und der übrigen Welt berichtet wurde.

♞ Simultanschach im
Shopping Center Emmen 1976♞
Vor dem Simultan stellte sich Kortschnoi den Fragen der Medien. Wer ihn erlebte, erinnert sich an einen ruhigen, konzentrierten und dennoch entschlossenen Menschen. Er sprach weniger über Politik als über Freiheit – über die Freiheit, Schach spielen, reisen und seine Meinung sagen zu dürfen. Gleichzeitig war spürbar, wie sehr ihn die Sorge um seine Familie, Frau Bella und seinen Sohn Igor belastete, die noch in der Sowjetunion festgehalten wurden.

Nach der Pressekonferenz wechselte Kortschnoi ans Brett. Ruhigen Schrittes ging er von Partie zu Partie, musterte jede Stellung nur wenige Sekunden und zog mit beeindruckender Sicherheit Zug um Zug. Für viele der Teilnehmer und der Zuschauer war es das grösste Schacherlebnis ihres Lebens. Gegen einen Spieler anzutreten, der wenig später zweimal um die Weltmeisterschaft kämpfen sollte, war etwas Aussergewöhnliches.

Das Resultat war eindrücklich: 43 Siege gegen 54 Gegner. Doch die nackten Zahlen erzählen nur einen Teil der Geschichte. Viel wichtiger war die Atmosphäre. Das Shopping Center Emmen (der damalige Name, heute Emmen Center) wurde für einige Stunden zum Treffpunkt der internationalen Schachwelt. Zwischen Einkaufswagen und Schaufenstern spielte sich ein Stück Zeitgeschichte ab.

Heute, fünfzig Jahre später, erinnert dieser Anlass daran, dass Schach weit mehr sein kann als ein Spiel. Es verbindet Menschen, erzählt Geschichten und spiegelt manchmal sogar die grossen politischen Ereignisse seiner Zeit wider.

Für  uns von der Schachgesellschaft Emmenbrücke - wer damals dabei war - bleibt der Besuch Viktor Kortschnois ein besonderes Kapitel der regionalen Schachgeschichte – ein Tag, an dem Weltklasse und Weltgeschichte nach Emmen kamen.

Foto: Emanuel Ammon/AURA 

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