– Erinnerungen an Viktor Kortschnoi im Emmen Center –
Als Viktor Kortschnoi das Emmen Center zum zweiten Mal in einen Schachsaal verwandelte
25. Januar 2002 – ein besonderer Tag für die Schachfreunde der Zentralschweiz
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Am Freitag, 25. Januar 2002 wurde das damalige Shopping Center Emmen zum Treffpunkt der internationalen Schachwelt (ein Event anlässlich des 50-jährigen Bestehens). Mit Viktor Kortschnoi gastierte einer der grössten Schachspieler des 20. Jahrhunderts in Emmen. Die Direktion organisierte eine ausführliche Pressekonferenz und eine Simultanvorstellung. Journalisten aus der ganzen Schweiz hatten die Gelegenheit, dem Grossmeister aus nächster Nähe zu begegnen. Für viele war es die erste und einzige Möglichkeit, einem der bedeutendsten Schachspieler seiner Generation persönlich Fragen zu stellen.
Eine eindrückliche Persönlichkeit
Als Viktor Kortschnoi den Raum betrat, wirkte er ruhig, konzentriert und bescheiden. Obwohl er damals bereits 71 Jahre alt war, strahlte er jene Energie aus, die ihn während Jahrzehnten an der Weltspitze gehalten hatte.
Im Mittelpunkt der Pressekonferenz standen selbstverständlich seine aussergewöhnliche Karriere und seine bewegte Lebensgeschichte. Kortschnoi sprach offen über seine Zeit in der Sowjetunion, seine Emigration im Jahr 1976 sowie seine neue Heimat Schweiz. Dabei wurde deutlich, dass Schach für ihn weit mehr war als ein Spiel – es war sein Lebensinhalt.
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| Simultan Viktor Kortschnoj 2002 Foto: Schachwoche/W. Rupp |
Natürlich kamen auch die legendären Weltmeisterschaftskämpfe gegen Anatoli Karpow zur Sprache. Die Matches von Baguio 1978 und Meran 1981 gelten bis heute als die wohl emotionalsten und politisch aufgeladensten Titelkämpfe der Schachgeschichte. Kortschnoi schilderte seine Erinnerungen sachlich und ohne Pathos, liess aber erkennen, wie sehr ihn die damaligen Ereignisse geprägt hatten. Noch Jahre später bezeichnete er den verlorenen Weltmeistertitel als einen der grössten unerfüllten Wünsche seiner Laufbahn.
Ein Weltklassespieler zum Anfassen
Besonders beeindruckte die Offenheit des Grossmeisters. Geduldig - manchmal auch etwas weniger freundlich - beantwortete er die Fragen der Medien . Er sprach selbstverständlich auch über moderne Eröffnungstheorie und über den enormen Trainingsaufwand eines Spitzenspielers
Wer ihm zuhörte, spürte rasch seine Leidenschaft für das königliche Spiel. Trotz seiner unzähligen Erfolge wirkte Kortschnoi nie überheblich. Vielmehr begegnete er seinem Publikum mit Respekt, Humor und einer feinen Portion Selbstironie.
Dreieinhalb Stunden auf den Beinen
Nach der Pressekonferenz begann der eigentliche Höhepunkt des Tages. An 40 Brettern gleichzeitig nahm Viktor Kortschnoi den Kampf gegen Spieler aus der ganzen Zentralschweiz auf. Unter den Teilnehmern befanden sich Jugendliche, erfahrene Klubspieler und zahlreiche Schachbegeisterte aus der Region.
Während mehr als dreieinhalb Stunden umrundete der Grossmeister unermüdlich die Bretter. Mit erstaunlicher Konzentration behielt er jede einzelne Stellung im Blick, analysierte blitzschnell und fand selbst in komplizierten Positionen die stärksten Züge.
Für die Teilnehmer war das Ergebnis letztlich zweitrangig. Viel wichtiger war das einmalige Erlebnis, gegen einen der grössten Schachmeister aller Zeiten spielen zu dürfen. Viele bewahrten ihre Partieformulare oder liessen sie anschliessend vom Grossmeister signieren.
Ein bleibender Eindruck
Der Anlass wurde mit grossem Engagement organisiert und zeigte eindrücklich, welche Strahlkraft Viktor Kortschnoi auch Jahrzehnte nach seinen Weltmeisterschaftskämpfen noch besass. Dass eine Persönlichkeit dieses Formats im Emmen Center simultan spielte und sich den Fragen der regionalen Medien stellte, war für die Schachszene der Zentralschweiz ein aussergewöhnliches Ereignis.
Heute erinnern sich viele Teilnehmer noch immer an diesen Januartag des Jahres 2002. Nicht nur wegen der gespielten Partien, sondern vor allem wegen der Begegnung mit einem Menschen, dessen Name untrennbar mit der Geschichte des Weltschachs verbunden ist.
Dass Viktor Kortschnoi regelmässig Simultanveranstaltungen gab und dabei auch im Emmen Center gegen Innerschweizer Schachspieler antrat, wird zudem durch zeitgenössische Schachpublikationen dokumentiert.
📝 Persönliche Anmerkung
Im Januar 2002 durfte ich - Jahre nach der Sportjournalistenschule - an der Pressekonferenz mit Schachgrossmeister Viktor Kortschnoi im damaligen Shopping Center Emmen für unsere Regionalzeitung «Die Heimat» teilnehmen.
Mehr als zwei Jahrzehnte sind seither vergangen. Viele Erinnerungen an diesen besonderen Anlass sind leider verblasst, und auch die damaligen Zeitungsartikel liegen nicht mehr vor.
Für diesen Rückblick wurden deshalb die noch verfügbaren historischen Quellen, Archivhinweise und zeitgenössischen Informationen sorgfältig recherchiert. Mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz konnten daraus die Ereignisse rekonstruiert und zu einem möglichst authentischen Bericht zusammengeführt werden. Wo keine Originalquellen mehr vorhanden sind, handelt es sich um eine historisch plausible Rekonstruktion.
Vielleicht besitzt jemand aus der Schachgemeinschaft noch Fotos, Zeitungsberichte oder persönliche Erinnerungen an diesen besonderen Tag. Ergänzungen sind jederzeit herzlich willkommen.
Andreas Wüst

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