Dienstag, 24. März 2020

Zeitreise: Mecking - Polugajewski, Luzern 1977 (3)

Die interessanteste Partie (gestern auf dem Blog veröffentlicht) fand schon am Eröffnungstag statt. Mecking stand auf Verlust, fand aber einen Weg zum Remis.  Spiel zwei wurde danach um zwei Tage verschoben. Mecking hatte Bauchschmerzen und Polugaevsky musste auch zum Arzt, da er von einem Abszess am Rückens geplagt wurde.

Der Schnappschuss für das Familienalbum: Hotelier Fugi Fuchs, Henrique Mecking,
Lew Polugajewski, Alex Crisovan, Edwin Rudolf (LNN) und Ottavio Bovo (LNN)
Foto: Schweizerische Schachzeitung 1977
Die zweite Runde sollte dann den Wettkampf schon entscheiden. Mecking stand lange Zeit auf Gewinn, hatte aber grosse Zeitprobleme. Dann passierte es: Polugajewski begann damit, seine Figuren an den Rand der Felder zu stellen und jedes Mal musste der Brasilianer die Figuren in die Mitte stellen. Natürlich gefiel das dem Russen nicht und er beschwerte sich bei Crisovan,  So erhielt Mecking eine (ungerechtfertigte) Verwarnung und war auch wegen der sprachlichen Barriere etwas verwirrt. Die Runde wurde mit Ausreden von Crisovan unterbrochen. Mecking stand nun plötzlich schlechter. Das Spiel konnte am nächsten Tag wegen eines Konzerts nicht fortgesetzt werden. Am Tag danach konnte Polugaevsky den Vorteil nach Hause spielen, worauf das Gerücht auftauchte, dass die Fortsetzung von Moskau per Computer übermittelt wurde.
Anmerkung: Damals waren (Schach)-Computer noch nicht so verbreitet wie heute!

Die nächste Partie musste verschoben werden, weil Mecking einen Nervenzusammenbruch hatte. Er war auf jeden Fall nervös! Er machte einen Ausflug auf den Pilatus und sah zum ersten Mal Schnee in seinem Leben. Danach folgten ein paar Unentschieden und Mecking legte vor der achten Partie Protest gegen den Schiedsrichter ein, wenn er das fiese Spiel von Polugajewski nicht endlich beende, wolle er einen anderen Schiedsrichter.

Nach einem weiteren Remis bat nun Polugaevsky wegen Nervosität und Kopfschmerzen um eine weitere Pause. Und nach der nächsten Punkteteilung war es Mecking, der wegen Zahnschmerzen pausieren wollte. Zudem verlangte der Brasilianer einen neuen Schiedsrichter, was die FIDE aber ablehnte. Alex Crisovan hätte zurücktreten können, sagte aber: «Ich habe einen Job angenommen und möchte ihn bis zum Ende machen!» Es folgten zwei weitere Unentschieden und Polugaevsky gewann den Viertelsfinal mit 6½:5½.

Im Kandidaten-Halbfinale schied Polugaevsly dann gegen den späteren Vizeweltmeister Viktor Kortschnoj sang- und klanglos aus. Er verlor in Evian-les-Bains (Frankreich) deutlich mit 4½:8½.

Quelle: Internet (aus dem englischen übersetzt)