Freitag, 26. März 2021

Die Igelstruktur

Als «Igel» bezeichnet man im Schach einen Stellungstyp, der in erster Linie durch eine bestimmte Bauernstruktur in der Eröffnung und später im Mittelspiel erreicht wird. Beide Spieler müssen damit einverstanden sein und die entsprechenden Bauernzüge auch spielen. Diese Struktur wurde viele Jahre als sehr unvorteilhaft angesehen. Doch vor ungefähr fünfzig Jahren kam sie plötzlich in Mode, da einige junge Grossmeister mit ihr grosse Erfolge erzielten. 

Heute wird der Igel als durchaus spielbar angesehen. Die Bezeichnung «Hedgehog», deutsch «Igel», geht vermutlich auf William Hartston zurück

Die Struktur wird durch die Position der beiden schwarzen Bauern auf d6 und e6 gegenüber den beiden weissen Bauern auf c4 und e4 charakterisiert. In sehr seltenen Fällen kann auch einer dieser (weissen) Bauern fehlen. Die Stellung von Schwarz scheint sehr eingeschränkt, ist aber tatsächlich extrem elastisch. Der Plan besteht darin, einen Abtausch vorzubereiten mittels b5 oder d5. Danach wird die halboffene d-Linie von Weiss beherrscht, während Schwarz auf der c-Linie mit Druck auf c4 aktiv wird. 

In der Folge kann der Anziehende auf zwei Arten spielen: Eher ruhig und die Stellung kontrollieren oder versuchen die Schwächen (b6 oder d6) auszunutzen. Mit einem aktiven Zug wie f4 oder gar g4 den Raumvorteil ausnützen und einen Königsangriff starten. Allerdings ist die schwarze Position sehr solide und es bedarf grosser Anstrengungen. Der Nachziehende kann ruhig abwarten und im entscheidenden Moment einen Gegenangriff starten.