- am 5. Dezember St. Nikolaus Anlass - kein Schach (Infos siehe Beitrag unten) -

Dienstag, 23. März 2010

70. Generalversammlung der SGE

Es war vor sieben Dezennien (und die deutsche Hitlerei hatte gerade erfolgreich damit begonnen, die ganze Welt in Chaos und Verderben zu stürzen), da versammelten sich an einem Sonntagnachmittag um 14 Uhr im alten Gerliswiler Restaurant «Sonne» (Bild rechts) exakt 13 Emmer Schachfreunde, um einen neuen Verein aus der Taufe zu heben - die Schachgesellschaft Emmenbrücke ward geboren.
Was allerdings keineswegs auf breite Zustimmung stiess: Gründungsmitglied und erster SGE-Spielleiter Franz Ottiger weiss beispielsweise (in der 50-Jahr-SGE-Chronik) zu berichten, «was so eine Vereinsgründung ohne vorherige Orientierung der Obrigkeit für ein Echo auslöst: Anfragen zur politischen und konfessionellen Zugehörigkeit... Als ich beim Gemeindeammann (wegen eines kulturellen Beitrages) vorstellig wurde, hat er mich aus dem Büro gejagt. Ebenso erging es mir beim Gemeindepräsidenten, der es als lächerlich bezeichnete...»

70 Jahre später finden die Versammlungen nicht mehr am Sonntagnachmittag statt, der Vereinsbeitrag beträgt nicht mehr nur Fr. 5.- pro Mitglied, und auch das Spiellokal ist nicht mehr eine zigarettenverqualmte «Sonnen»-Stube, sondern seit vielen Jahren schon das moderne Gersag-Center in Emmenbrücke. Geblieben ist aber der freundschaftliche Geist der SGE-Freunde - und deren guter Wille, sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen.
Das durfte auch der aktuelle SGE-Präsident (und -Spielleiter) Gabriel Steiner in seinem Jahresbericht feststellen, den er anlässlich unserer jüngsten Zusammenkunft am 25. Februar 2010 zuhanden seines knapp 20-köpfigen Auditoriums (Bilder unten) verlas.
Mit unverhohlenem Stolz konnte er dabei konstatieren: «Das Vereinsleben ist rege, die Organisation der Vereinswettbewerbe verläuft störungsfrei, die Vereinskasse stimmt und ist im Gleichgewicht, und die Kameradschaft unter den Vereinsmitgliedern ist sehr gut. So wollen wir hoffen, dass alles, was heute positiv erscheint, auch in Zukunft so bleibt!»
Doch die SGE-GV wäre keine richtige Mitgliederversammlung, wenn sie nicht auch die immer offener zutage tretenden Defizite unseres Vereinslebens engagiert diskutiert hätte. Allem voran ist da der seit Jahren stagnierende Zugang von jungen (oder auch älteren) Neumitgliedern zu beklagen: Trotz entsprechender Anstrengungen der Jugend-Betreuer Marcel Michel, Seppi Lustenberger, Fredy Jung u.a. will sich auf diesem für jeden Verein lebenswichtigen Gebiet nach wie vor kein wirklicher Erfolg in Form aktiver neuer Zöglinge abzeichnen.
Der seit zwei Jahren in Amt und Würden stehende Präsident versprach an der GV allerdings, die SGE-Juniorenförderung nun doch zur «Chefsache» zu erheben. Sicher dringend nötig - nicht zuletzt angesichts immer schneller schwindender Mitgliederbeiträge, deren endgültiges Versickern auszurechnen wenig Mathematik verlangt, wenn die Entwicklung nicht gestoppt werden kann...
Ein teils nostalgisch, teils trotzig, teils optimistisch, teils melancholisch, vorwiegend aber zustimmend abgehandelter Diskussionspunkt war die definitive Abschaffung des 30-jährigen Vereinsblattes «Journal» (Bild rechts: Die letzte Ausgabe des letzten Jahrganges). In den vergangenen Monaten eigentlich nur noch als (recht kostenintensives) «Privatprojekt» unseres (um den Verein sehr verdienten) Ex-Mitgliedes Andy Matter eher schlecht als recht am Leben gehalten, stiess das in Ehren ergraute Blättchen bei der grossen Mehrheit der Mitglieder endgültig nur noch auf «passive Gleichgültigkeit», und es verwundert nicht, dass niemand für eine redaktionelle Weiterführung dieser Vereinszeitung überredet werden konnte: Zu übermächtig, zu schnell, zu effizient, zu interessant und zu praktisch das neue Internet-Zeitalter in Form unserer neuen Homepage. Die Zustimmung der Versammlung passierte denn auch mit deutlichster Mehrheit, verbunden mit der grundsätzlichen Zustimmung für die damit notwendige Statuten-Anpassung.
Der Vorstand (Bild unten von links nach rechts: Kassier Renzo Mazzoni, Jugendleiter Marcel Michel, Präsident Gabriel Steiner, Aktuar Hans Isaak; es fehlt Materialverwalter Freddy Jung) will nun abklären, wie der nötige Informationsfluss für jene paar wenigen Mitglieder garantiert werden kann, welche über kein Internet verfügen. In diesem Zusammenhang hat man sich auch darüber Gedanken zu machen, wie der immer noch beachtliche Inserenten-Pool des «Journals» möglichst ohne Verluste auf die Homepage transferiert werden kann.
Das oben angesprochene Junioren-Problem im Verbund mit dem unweigerlichen Mitgliederschwund führte zu einem dritten kontroversen Disput unter den Mitgliedern, nämlich der Idee des Vorstandes, die Freimitgliedschaft (= Beitragsfreiheit nach 25-jähriger Vereinszugehörigkeit) abzuschaffen. Einer Reihe von Schachfreunden stiess dieser Vorschlag zur Kassen-Sanierung etwas sauer auf. Tenor der Meinung war vielmehr, dass sich die Freimitglieder durch «langjährige Vereinstreue verdient gemacht» hätten und den Verein zudem oft durch freiwillige Gönnerbeiträge unterstützten, was manchmal sogar den üblichen Aktivbeitrag übersteige. Allgemein war man also der Ansicht, dass zuerst kreativere Möglichkeiten der Finanzenbeschaffung ausprobiert werden müssen, bevor man den langjährigen Mitgliedern «an die Wäsche geht». (Stichworte wieder: Juniorenförderung & Mitgliederwerbung...).
Natürlich hatte die SGE-Vollversammlung neben ernsthaftem Problemewälzen auch eine Menge Erfreuliches zu bieten. So konnte im Rahmen der alljährlichen Preise-Verteilung einer Reihe von Spielern zu schachsportlichen Erfolgen gratuliert werden; sie durften aus den Händen von Präsi Gabriel je ein kleines Preis-Couvert und von der Versammlung je verdienten Applaus entgegennehmen. Allen voran sei dem neuen Vereinsmeister Seppi Lustenberger (Bild rechts) zu seinem erneuten Erfolg gratuliert. (Die jeweiligen Turniere bzw. deren Ranglisten können wie immer auf den Seiten dieser Homepage gesichtet werden.)
Positives ist, dank umsichtigem Walten von Finanzchef Renzo Mazzoni, auch von der Geld-Front zu berichten. Trotz verminderter Einnahmen gelang es ihm erneut, eine ausgeglichene Budgetierung und ein gesundes Grundvermögen des Vereins zu präsentieren; zurecht konnte deshalb Revisor Hans Lustenberger der Versammlung unter grossem Applaus die Rechnungsabnahme empfehlen.
Wenn von Highlights die Rede ist, darf natürlich die Erwähnung der vorzüglichen Gersag-Küche nicht fehlen. Denn sie komponierte den knapp 20 GV-Teilnehmern wie gewohnt ein zügig serviertes und prächtig mundendes Nachtessen (Bild unten).
Das vorzüglich mundende GV-MenüBleibt zum Schluss noch der Hoffnung Ausdruck zu geben, die nächste GV verzeichne wieder ein paar Teilnehmer mehr. Denn (zumindest auf dem Papier) ist die Schachgesellschaft Emmenbrücke mit über 60 eingetragenen Mitgliedern nach wie vor einer der stattlichsten Schachvereine der Innerschweiz, und auch wenn natürlich längst nicht mehr alle SGE-ler noch Aktive sind, so ist die Generalversammlung doch immer wieder die beste Gelegenheit, sich freundschaftlich auszutauschen und gleichzeitig aus erster Hand zu informieren, so dass die Teilnahme fast ein Muss ist. In diesem Sinne schliesst sich der Berichterstatter dem Wunsche des 10-köpfigen Stammtisches (Bild rechts) an, der sich nach der Versammlung noch «privat» zu einem Schlummer-Bierchen formierte: dass die SGE auch im bevorstehenden achten Dezennium ihrer Geschichte eine gute Fährte durch ggf. stürmische Vereinswasser finde möge.  

Bildbericht: Walter Eigenmann